Wie wird aus dem liebsten, sanftesten, verschmustesten Pienzchenkater (*) der Welt eine regelrechte Kampfmaschine? Die Antwort ist ganz einfach: a new cat is in town!
Hier in der Gegend wohnen relativ viele Katzen und natürlich gibt es hin und wieder Meinungsverschiedenheiten. Auch kommt das eine oder andere Tier mal mit kleineren Blessuren nach Hause, aber im Großen und Ganzen haben sich die Katzen und Kater miteinander arrangiert.
Plötzlich war er da – der neue Kater
Doch dann passierte es: ein neuer Kater kam in die Gegend – und der war nicht dumm. Vielleicht merkte er, dass ich Tiere liebe, denn komischerweise besetzte er bei einer Auswahl von genau 12 Vorgärten exakt meine kleine Vorgartenterrasse. Eines Tages fand ich ihn das erste Mal friedlich schlafend und eingerollt auf den Kissen meiner liebevoll dekorierten Gartenbank. Er ließ sich von mir anfassen, schnurrte in meine Hand und schon war es um mich geschehen….
Ab diesem Zeitpunkt fand ich das weiße Tier fast jeden Tag auf meiner Bank. Er trug zwar ein Halsband, aber keiner der Nachbarn schien zu wissen, wohin der Kater gehörte. Ich freundete mich mit ihm an und bald saßen wir idyllisch zu zweit vor dem Haus und schauten uns zusammen den in voller Blüte stehenden Vorgarten an. Bis dahin gab es noch keine Probleme mit meinen Katzen. Es wunderte mich nur, dass die beiden sich nie im Vorgarten aufhielten, sondern lieber den Weg in den hinteren Garten nahmen. So verging der Sommer ohne besondere Vorkommnisse.
Mit dem Herbst änderte sich die Lage
Der Herbst kam. Die Gartenmöbel wurden eingemottet – und damit auch die von dem fremden Kater so geliebte Vorgartenbank. Und dann änderte sich die Lage: Eines Abends saß ich vor dem Fernseher, Carlino lag faul auf einem Stuhl und Luno hing auf der Couchlehne ab, als der „Sommerkater“ von draußen durch die Terrassentür ins Wohnzimmer schaute.
Luno war plötzlich hellwach, rannte auf die Scheibe zu, als wolle er sie durchbrechen und schrie babygleich mit dem draußen stehenden Kater um die Wette. Carlino erschrak dermaßen, dass er erst einmal Deckung auf der Kellertreppe nahm. Doch Luno war außer sich. Wenn jetzt die Tür offen gewesen wäre, wahrscheinlich hätte er den fremden Kater in der Luft zerrissen. Es blieb mir nichts anderes übrig, als den Rollo herunterzulassen.
Ruhige Abende gehörten der Vergangenheit an
An ruhige und entspannte Abende war von diesem Zeitpunkt an nicht mehr zu denken. Luno saß ununterbrochen vor der Terrassentür und starrte nach draußen. Glaubte er, der weiße Kater wolle bei uns einziehen, wollte er sein Haus verteidigen? Leider kam das Tier, das ich doch anfangs so lieb fand, täglich und setzte sich wie zum Spaß provozierend draußen vor das Fenster. Alleine dadurch ließ mein Kater sich dermaßen reizen, dass ich jedes Mal dachte, er stehe kurz vor dem Herzinfarkt.
Es musste etwas passieren
So konnte das nicht weitergehen. Wenn es um meine Familie geht, kommt mein Beschützerinstinkt hoch, da kenne ich kein Pardon. Als der Fremdling das nächste Mal kam, jagte ich hinter ihm laut schreiend her bis er am Horizont verschwand (ich hoffe, mich hat keiner dabei beobachtet). Das tat mir zwar leid, aber es schien geholfen zu haben. Bis jetzt ist er nicht wieder aufgetaucht.
Meine Katzen entspannen sich so langsam wieder. Doch ab und zu erwische ich meinen Luno, wenn er wie zufällig durch die Terrassentür in die Dunkelheit starrt, als erwarte er eine „Sommerkatze“, die lächelnd über die Wiese spaziert, einen Rucksack mit einigen Habseligkeiten auf dem Rücken und dem Willen, bei uns einzuziehen.
(*) Pienzchenkater = Warmduscherkater. Titelbild: Kristina Rogova, Russland.





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